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SR: Traumziel Iran

Für kulturinteressierte Besucher ist der Iran eine wahre Schatzkammer. In prachtvollen Palästen, üppigen Gärten und bunten Basaren fühlt man sich nicht selten wie in einem Märchen von Tausendundeiner Nacht. Die Route des Films führt von Shiraz über das traumhaft schöne Isfahan in die Hauptstadt Teheran. Eine Reise in 1001 Nacht.

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Spiegel| Visavergabe in Teheran: Ein Termin in der deutschen Botschaft? Das kostet!

Von

Deutsche Botschaft in Teheran (Archivbild): Termine nur gegen Bares?Zur Großansicht

DPA

Deutsche Botschaft in Teheran (Archivbild): Termine nur gegen Bares?

Ein Iraner, der Deutschland besuchen will, braucht derzeit viel Geduld – oder Bares: Visa-Termine in der deutschen Botschaft in Teheran werden offenbar auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Das Auswärtige Amt sieht das Problem woanders.

Hosseins Kinder sind fünf und acht Jahre alt. Bald sollen sie endlich ihren Opa kennenlernen. Es gibt nur ein Problem: „Wir können ihn in Iran nicht besuchen“, sagt Hossein K., „wegen der politischen Lage.“ Also soll der Großvater aus dem äußersten Osten des erzkonservativen Golfstaatsnach Deutschland kommen, möglichst bald. Auch das gestaltet sich jedoch schwierig.

Wer von Iran in die Bundesrepublik reisen will, braucht in der Regel ein Visum – und derzeit gleicht es einem Kunststück, ein solches zu bekommen. Denn die deutsche Botschaft in Teheran vergibt Termine zur Beantragung der Einreisegenehmigung nur noch über ein Online-Portal, und das speist die Nutzer seit Längerem mit einem knappen Hinweis ab: „Es sind zurzeit leider keine Termine verfügbar. Neue Termine werden in regelmäßigen Abständen freigeschaltet.“

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FAZ| Eine Galerie namens Teheran

Unter dem Motto „A gallery as big as a town“ bekommt man in Teherans Straßen derzeit Kunstwerke statt Werbung zu sehen. Hilft Bürgermeister Mohammad Baqer Ghalibaf damit vor allem sich selbst?

10.05.2015, von HANNAH FEILER

© AFPVergrößernDas Projekt „A gallery as big as a town“ zeigt Werke internationaler und lokaler Künstler.

Teherans Oberbürgermeister Mohammad Baqer Ghalibaf hat seine Liebe zur Kunst entdeckt und die Stadt in eine Galerie verwandelt. Wo sonst für Banken oder südkoreanische Geschirrspülmaschinen geworben wird, ließ er Kunstwerke aufhängen – Picasso statt Konsumaufforderung. Zehn Tage lang sind 700 Werke iranischer und ausländischer Künstler auf 1500 Werbetafeln über die Stadt verteilt zu sehen. Der aus Teheran stammende Bildhauer und Maler Saeed Shahlapour ist der Kurator dieses Projekts. Bei der Auswahl der Kunstwerke sei er im Prinzip frei gewesen, habe aber einige Richtlinien befolgen müssen, erklärte er. So stand etwa von Anfang an fest, dass ein Großteil der Werke aus den Ateliers iranischer Künstler stammen sollte. Die übrigen 30 Prozent  zeigen die Gemälde und Fotografien ausländischer Künstler, darunter so große Namen wie Munch, Rembrandt, Picasso oder Henri Bresson-Cartier.

© TWITTERIn Teheran wurde die Stadt über Nacht zur Galerie und zeigt ein Gemälde von David Hockney

Die kuratorischen Bemühungen des Verschönerungskomitees wurden in den sozialen Netzwerken begeistert aufgenommen. Das Interesse an berühmten Gemälden, die man sonst nur in den großen Museen dieser Welt zu Gesicht bekommt, scheint groß zu sein. Gegenüber der New York Times kündigten Einwohner der Stadt bereits an, von nun an öfter ins Museum gehen zu wollen.

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3sat| Iran – von Shiraz nach Teheran – Reisen in ferne Welten

Der Iran kommt einem bei der Urlaubsplanung nicht sofort in den Sinn. Doch geheimnisvolle Ruinen, schillernde Moscheen, prachtvolle Paläste und Gärten mach das Land der Ajatollahs zu einem spannenden und überraschenden Reiseland.
Der Iran gerät oft in Fokus der Weltöffentlichkeit: UN-Embargo, Urananreicherung und ein ehemaliger Staatspräsident Ahmadinedschad, der den Holocaust leugnet.
Demonstrationen sollte man meiden
© SR/Stephan DüfelLupe
Alte Beerdigungsstätten: die „Türme des Schweigens“ in Yazd.

„Reisenden wird grundsätzlich empfohlen, Kundgebungen oder Demonstrationen weiträumig zu meiden“, ist nur eine von vielen Sicherheitshinweisen auf der Homepage des Auswärtigen Amtes. Ferner existiert eine „Krisenvorsorgeliste“, auf die sich alle Deutschen die sich in Iran aufhalten, aufnehmen lassen sollten. Der Iran ist also nur etwas für die Touristen, die sich auf eine fremde Welt einlassen wollen, und die auch Alkoholverbot und andere kulturelle Vorgaben respektieren wollen. Obwohl das Land in der Krisenregion des Nahen und Mittleren Osten liegt, ist es für Touristen in den meisten Regionen recht sicher. So nimmt die Nachfrage nach Reisen in den Iran seit einiger Zeit stark zu.Seit im Herbst 2013 der als toleranter geltende Präsident Rohani die Wahlen gewann, wird der Gottesstaat im Ausland zunehmend liberaler wahrgenommen. Immer mehr kulturinteressierte Touristen gehen auf Spurensuche nach dem alten Persien und machen sich ein Bild vom Iran der Gegenwart.

An der Route der ehemaligen Seidenstraße liegt das verlassene Dorf Kharanaq. © Stephan DüfelLupeKharanaq
An der Route der ehemaligen Seidenstraße liegt das verlassene Dorf Kharanaq. © Stephan DüfelLupeKharanaq
Der Golestan Palast in Teheran - ein ehemaliger Regierungssitz © Stephan DüfelLupeTeheran
Isfahan © SWRLupeIsfahan
Isfahan © SWRLupeIsfahan
3.000 Jahre alt und zwei Millionen Einwohner

Vor allem Isfahan beeindruckt die Reisenden nachhaltig: Isfahan ist rund 3.000 Jahre alt und hat heute knapp zwei Millionen Einwohner. Schah Abbas I. aus der Dynastie der Safawiden erhob die Stadt im Jahr 1598 zu seiner Residenz. Er plante ein modernes Stadtbild, Vorbild war die Paradiesstädte des Koran. Auf einem Areal von einem halben Kilometer Länge entstand der „Meidān-e Schāh“, der Platz des Königs. Er entwickelte sich zum Zentrum für Handel und als Gerichtsort.Sein eigener Palast „Ali Kapu“ steht alles überragend in der Mitte. Links befindet sich die große Moschee, die „Schahmoschee“ und gleich gegenüber vom Palast das private Bethaus des Herrschers. Schah Abbas war ein Mensch mit Visionen und Fantasien. Ein europäischer Reisender, den die Faszination des Morgenlandes nach Isfahan führte, schreibt über den Königspalast: „Die Schönheit dieses Hauses besteht darin, dass alle Wände von oben bis unten an, mit Gold und köstlichen Gemälden gezieret seyn. Das Gewölb ist gleichfalls überall mit Gold und Farben überzogen, dass in Wahrheit nichts schöneres gesehen werden kann“.

Isfahan war zu dieser Zeit nicht nur die prächtigste, sondern auch die reichste Stadt des Orients. Jeder Zunft, jedem Handwerk wurde ein eigener Bereich zugewiesen. Bedeutende Handelswege zwischen China und Europa verliefen über Isfahan.

Jahrhundertealte Religion des Zoroastrismus
© Stephan DüfelLupe
Der Imam Platz in Isfahan, einer der größten Plätze der Welt.

Der Film von Stephan Düfel, den Sie am auf 3Sat sehen konnten, führt auf der touristischen Route von Shiraz aus nordwärts – nach Yazd, Isfahan und in die Hauptstadt Teheran. Zu den Stationen zählen das verlassene Wüstendorf Kharanaq, die Ruinen des antiken Persepolis, alte Moscheen und quirlige Basare. Unterwegs gibt es immer wieder Begegnungen mit Menschen. Darunter Männer, die einen Jahrtausende alten Sport betreiben, ein Künstler, der mit Katzenhaar auf Kamelknochen winzige Bilder malt, oder junge Iraner, die von ihrem Alltag in dem islamischen Staat erzählen.Stephan Düfel beschäftigt sich in dem Film auch mit dem Zoroastrismus.Die 3.000 Jahre alte Religion wird im Iran noch gepflegt. Sie beeindruckend besonders durch ihren Totenkult. Ihr Stifter war übrigens der durch Friedrich Nietzsche und Richard Strauss bekannt gewordene „Zarathustra“.

Quelle: 3sat

Persiens Schatz: Blühende Moscheen – Mohammad Reza Domiri Ganji

23 years old Photographer and Physics student from northern Iran, interested in Panoramic and Architecture Photography.
I have been taking photos for 5 years, and have learned much through talking to other photographers, sharing my pictures and receiving feedback, and watching tutorials on the internet.
Most of my pics are Covering very Wide angle of view (show Entire Building in one Picture ) and also they are High Dynamic Range. for me light is very Special element in Photography .

azadi-bird

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Dolat-Abad

Nasir-Al-Mulk-Mosque

Die persische Gattin – Von der Herausforderung, im Iran zu heiraten

14.11.2014 | 49:42 Min. | Quelle: Deutschlandfunk

Anna heiratet in Deutschland schlicht und standesamtlich Ahmed, einen Iraner. Dann fährt sie mit ihm in sein Geburtsland, um die Verwandten kennen zulernen. Sie wird als Ahmeds Ehefrau mit Respekt und Zuneigung behandelt. Doch auf einer Erkundungsreise durch den Iran muss Anna feststellen, dass ihre deutsche Heiratsurkunde nicht zählt. http://www.deutschlandfunk.de,

Das Feature Direkter Link zur Audiodatei http://ondemandmp3.dradio.de/file/dradio/2014/11/14/dlf_20141114_2010_b4b539a9.mp3

Iran strahlt Propagandafilm „7 Minuten bis Tel Aviv“ aus

Israel in Reichweite iranischer Raketen

Teheran – Das iranische Staatsfernsehen will einen gegen Israel gerichteten Propagandafilm ausstrahlen. In dem Dokumentarfilm „7 Minuten bis Tel Aviv“ gehe es um die iranische Raketenindustrie, berichtete die Nachrichtenagentur MEHR am Mittwoch.

Der Titel deutet darauf hin, dass iranische Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von rund 2000 Kilometern binnen sieben Minuten Tel Aviv treffen könnten.

Seit Präsident Hassan Rohani im August 2013 sein Amt antrat, war gehofft worden, dass die anti-israelische Hetzrhetorik im Iran zurück. Sein Vorgänger, Mahmoud Ahmadinejad, hatte die Ausradierung Israels gefordert und den Holocaust infrage gestellt. Der Iran erkennt den Staat Israel nicht an und unterstützt Gruppen wie die Hamas und die Hisbollah, die Israel als Terrororganisationen eingestuft hat.

Vor Kurzem hat der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, auf seinem offiziellen Twitter-Account einen Neun-Punkte-Plan zur Beseitigung des „künstlichen zionistischen Regimes“ vorgelegt. (APA)

Sudabeh Mortezais fulminanter Durchbruch

MACONDO

MACONDO / Bild: Freibeuter Film 

Sudabeh Mortezai mied die Filmakademie, um sich ihre Kreativität zu bewahren. Ihr erster Spielfilm „Macondo“ gilt schlichtweg als Meisterwerk.

 (Die Presse)

In Ludwigsburg als Tochter iranischer Einwanderer geboren, in Teheran aufgewachsen, mit zwölf nach Wien gekommen und beim Film gelandet. Dazwischen liegen Matura, das Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaften in Wien und eine zweijährige Filmausbildung an der University of California in Los Angeles. „Dort habe ich elementare Dinge über das Filmemachen gelernt – und zwar quer durch alle Bereiche“, blickt Drehbuchautorin und Regisseurin Sudabeh Mortezai zurück.

„Alles andere habe ich mir im Wesentlichen selbst beigebracht. Ich bin Autodidaktin und bin mir nicht sicher, ob mir das rigide System einer Filmschule nicht sogar meine Kreativität ausgetrieben hätte.“ 2006 folgt ihre erste abendfüllende Dokumentation „Children of the Prophet“, die hervorragende Kritiken bekommt und in ganz Österreich im Kino läuft. Der zweite Dokumentarfilm „Im Bazar der Geschlechter“, der die im Iran weitverbreitete Praxis der Zeitehe beleuchtet, avanciert 2009 europaweit zum Festivalerfolg und ebnet Mortezai den Weg zum ersten Langspielfilm „Macondo“, der am 14. November ins Kino kommt und den vorläufigen Höhepunkt in der Karriere der 46-Jährigen markiert.

Vollständiger Artikel

Iranian students who took US Embassy: Where are they now?

Members of Iran’s Revolutionary Guard Corps attend the anniversary ceremony of the Islamic Revolution at the shrine of Ayatollah Ruhollah Khomeini in the Behesht Zahra cemetery, south of Tehran, Feb. 1, 2012. (photo by REUTERS/Raheb Homavandi)

The Nov. 4, 1979, storming of the US Embassy in Tehran by Iranian students who then held 52 American hostages for 444 days marked the beginning of three decades of hostility between Iran and the United States. Iranian Labour News Agency (ILNA) compiled a special report about the individuals involved in the hostage crisis today, 35 years after the incident.

According to ILNA, despite taking oaths not to enter politics or take government positions, many of the leftist students who called themselves the Muslim Student Followers of the Imam’s Line did end up in politics. Some entered parliament as Reformists or joined the Islamic Revolutionary Guard Corps.

Ebrahim Asgharzadeh, who was at one time the spokesman for the students, became the Revolutionary Guard commander for Ghazvin province. He served in parliament from 1989 to 1993 and was a member of Tehran’s first city council from 1999 to 2003. Today he is primarily a political analyst and is married to Tahereh Rezazadeh, who was also involved in the hostage crisis.

According to ILNA, in 1997, during Reformist President Mohammad Khatami’s proposed “dialogue of civilizations” between countries, a student asked Asgharzadeh if defending the attack on the embassy were compatible with holding a „dialogue of civilizations.“ According to ILNA, Asgharzadeh has still failed to answer this question. Though ILNA did not report it, Asgharzadeh did offer an apology to the families of the hostages for his actions.

Ezatollah Zarghami, according to ILNA, “like many others joined the Revolutionary Guard.” Today he is head of the Islamic Republic of Iran Broadcasting, a position that is appointed by the supreme leader. He is considered a hard-line politician who according to ILNA shares “few common positions” with the other students, who went on to play a large role in one of the most well known Reformist student groups, the Office for Strengthening Unity.

Mohsen Aminzadeh held positions in the Foreign Ministry and Culture Ministry. A member of the Reformist Islamic Participation Front, he was arrested after the contested 2009 elections along with other another student involved in the hostage crisis, Mohsen Mirdamadi.

A number of the students became members of the sixth parliament, remembered as the parliament that was swept by Reformists. Among this group was Mohammad Naimipour, a member of the Islamic Participation Front. For a time he was the director of research at the Center for Strategic Research.

Abbas Abdi played a major role in establishing the Office for Strengthening Unity. According to him, the name of the organization came about when Ayatollah Ruhollah Khomeini said to him, “Go and strengthen unity,” though in this case, “consolidate” would be a better term. He later went to write in defense of Reformist theories in Salaam newspaper and though the ILNA report does not mention it, he was imprisoned in 1993 and 2002 for his political writings and activities.

Masoumeh Ebtekar, nicknamed “Mary” in the foreign press, for a time headed the English-language edition of Kayhan newspaper. She is currently the head of Iran’s Environmental Protection Organization, a position she also held under the Mohammad Khatami administration.

Reza Seifollahi joined the Revolutionary Guard and eventually became the head of intelligence for the organization. He is now a member of the Expediency Council.

Mohammad Ali Jafari joined the Revolutionary Guard and now heads it.

Source: AL-Monitor

Teheran ist die Hauptstadt für Nasenkorrekturen

von Dina Nayeri

Als ich vorletztes Halloween entschied, mich als moderne Teheranerin zu verkleiden, hatte ich mehrere Monate unter frisch emigrier­ten Iranern zugebracht. Meine neuen Freundinnen-alle moderne Frauen aus Teheran-berieten mich dabei. Für mein Kostüm benötigte ich eine Mischung aus offensichtlichen und überraschenden Requisiten: ein Kopftuch, dessen Enden im Jackie-Kennedy-Stil nach hinten geworfen werden, mehrere Schichten Make-up (die kreischende Eitelkeit der Teheranerinnen und all das), ein hautenges schwarzes Kleid (iranische Frauen lieben es, die Gesetze der Islamischen Republik auszuloten), besonders große Volumeneinsätze fürs Haar (aufgebauschtes Haar ist eine Art kultureller Spleen, ähnlich wie enge Hosen bei europäischen Männern. Im Iran gilt eine hohe Wölbung unter dem Kopftuch als echter Antörner.) Und zum Schluss brachte mein Expertinnenteam noch ein kleines, aber entscheidendes Detail ins Spiel, das meiner Figur der authentischen vornehmen Teheranerin den letzten Schliff verleihen sollte. Sie musterten mich und eine von ihnen meinte, „Dir fehlt noch ein Pflaster auf der Nase.“

„Die Nase hab ich ja schon“, sagte ich und zeigte auf mein einziges gekauftes Körperteil. Seit meinem 18. Lebensjahr weist sie elegant nach oben. Ich mag Amerikanerin sein, aber ich bin auch Perserin, wollte ich damit sagen. Natürlich habe ich mir die Nase machen lassen.

Auf einem Spaziergang durch Teheran trifft man überall auf glamouröse Frauen mit Hijabs und teuren Sonnenbrillen, deren Nasen an markanter Stelle „Ehrenpflaster“ zieren, oft lange, nachdem die Wunden abgeheilt sind. Die Befürchtung, damit die Obrigkeit vor den Kopf zu stoßen, haben sie nicht.

Für viele junge Perserinnen ist diese Art der Zurschaustellung durchaus sinnvoll, vor allem wenn es darum geht, einen guten Ehemann zu finden. Das Pflaster ist ein Zeichen dafür, dass die Frau aus einer Familie kommt, die für sie sorgt und es sich leisten kann-was allemal besser ist, als lediglich die genetischen Anlagen für ein kleines Näschen zu haben.

Im Iran werden im Vergleich weltweit die meisten Nasenkorrekturen durchgeführt. Schätzungen zufolge lassen sich dort viermal so viele Leute die Nase machen wie in Amerika. Gerade für ein islamisches Land ist das bemerkenswert, und laut einerGuardian-Story vom März 2013 beschränkt sich diese Praxis nicht nur auf die Reichen; auch Verkäuferinnen, Büroangestellte, Studentinnen und Teenager geben ihre Ersparnisse für die OP aus oder verschulden sich dafür. Obwohl Schönheitsoperationen innerhalb der Kultur mittlerweile absolut gängig sind, hat die Islamische Republik bislang kaum Missfallen daran geäußert. In den 1980ern billigte Ajatollah Khomeini die Nasenkorrektur unter Verweis auf Hadith: „Gott ist schön und liebt die Schönheit.“ Und doch, wie BBC im Juni 2014 berichtete, zeigt der staatliche Fernsehsender Tehran TV in seinem Programm keine Schauspieler oder Schauspielerinnen mehr, die sich einer Schönheitsoperation unterzogen haben.

Seit der Revolution 1979, die den Schah zu Fall und die Islamische Republik an die Macht brachte, gilt Teheran als die Nasenkorrekturhauptstadt der Welt. Warum kam es ausgerechnet in einem muslimischen Land zu dieser Entwicklung? Es steht außer Frage, dass die iranische Kultur auf das Verhalten der Menschen stärkeren Einfluss hat als der Islam, und für diese hat körperliche Schönheit in all ihren Formen seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. Unter dieser Voraussetzung scheint folgende Erklärung plausibel: Weil der obligatorische Hijab nur den kleinen runden Ausschnitt des Gesichts als Darstellungsfläche für Schönheit und Ausdruck offen lässt, sind iranische Frauen völlig besessen von ihrem Gesicht. Sie wünschen sich feine, symmetrische und europäische Züge. Und weil so viele junge Frauen bereit sind, sich dafür unters Messer zu legen und zu verschulden, ist die Nasenkorrektur zu einer Art iranischem Initiationsritus geworden. Heute, nach ein paar Jahrzehnten, hat sich dieser Trend auch in der iranischen Diaspora verbreitet. Für viele persische Frauen und einige Männer ist die Operation ein Indikator, nicht nur für körperliche Schönheit, sondern auch für Reichtum und gesellschaftliche Stellung. Im Vordergrund steht weniger die Eitelkeit als der Wunsch, einer Schicht von Iranern anzugehören, die europäisch aussehen, amerikanische Bücher lesen, reisen und einen westlichen Lebensstil pflegen. So wurde die Beseitigung eben jenes persischen Nasenhöckers, der die unverwechselbare iranische Hakennase ausmacht, ironischerweise zu einem identitätsstiftenden Merkmal. Das Schönheitsideal des iranischen Gesichts hat sich offenbar gewandelt, und obwohl die Operation den eindeutig orientalischen Teil des Gesichts verändert, ist dies letztendlich eine sehr iranische Entscheidung.

Wenn dieser Trend jedoch von dem restriktiven Dresscode der Islamischen Republik herrührt, warum hat er sich dann auch in der iranischen Diaspora so ausgebreitet? Und warum begann er sich schon vor 1979 zu entwickeln? Meine Mutter, Großmutter und Tante ließen sich ihre Nasen in jungen Jahren richten, und alle drei sind konservative Frauen. Meine Großmutter, die sich der Operation in den späten 1960er Jahren unterzog, hatte sich die Nase zuvor bei einem Sturz verletzt-was allerdings eine beliebte Ausrede ist. Sie erzählte, der Arzt habe, bevor er den Bruch richtete, gemeint: „Wenn wir schon mal dabei sind, könnten wir Ihre Nase doch auch ein wenig verkleinern.“ Meine Mutter und meine Tante taten es ihr in den frühen 1970er Jahren gleich. „Damals hatten das nur sehr wenige andere Mädchen“, sagte meine Mutter, um deren Nase ich sie seit meiner Kindheit beneidet habe. „Das war Luxus. Weil ich aber an der medizinischen Fakultät war, konnte ich es umsonst machen lassen.“ Wenn auch eine Seltenheit zur damaligen Zeit, war die Entscheidung dennoch ein Nebenprodukt der iranischen Normen in Bezug auf Ehe und Brautwerben. „Nach ihrer Nasen-OP wollten alle deine Tante heiraten“, erzählte meine Mutter. „Ihre alte Nase … war sehr najoor.“ Für dieses tolle Wort gibt es leider keine adäquate Übersetzung. Es bezeichnet jedenfalls etwas tragisch Unschönes.

Dr. Benjamin Rafii, ein persischer Halsnasenohrenchirurg in Los Angeles, hält das Phänomen nicht für eine Reaktion auf den Islam. „Die Iraner verbindet seit 50 Jahren eine enge kulturelle Beziehung mit Europa“, sagt er. „Nach dem europäischen Schönheitsideal haben persische Frauen viele wünschenswerte Schönheitsmerkmale-mandelförmige Augen, volle in einem hohen Bogen verlaufende Augenbrauen, ausgeprägte Wangenknochen; nur die Nase, die häufig auch noch ein auffälliger Höcker schmückt, sticht als zu groß und unförmig heraus. Sie ist das erste Ziel bei kosmetische Optimierungen.“

Als meine Mutter jung war, vor der Revolution und dem obligatorischen Kopftuch, trieb dieser europäische Einfluss viele berühmte Leute auf den Operationstisch. „Damals ließen sich viele iranische Prominente operieren“, erzählte meine Mutter.

In den frühen 1970er Jahren war das Verfahren noch nicht so ausgereift. Anstelle einer modernen Schiene musste meine Mutter eine Tamponade aus gut zweieinhalb Meter Verbandsmull über sich ergehen lassen; sie wurde ihr tief in die Nasenlöcher bis in den Rachen gestopft. In den 60er und 70er Jahren hatte außerdem jeder Arzt seinen eigenen Nasenkorrekturstil. „Wer zum Arzt meiner Schwester ging, hatte danach die gleiche Nase wie sie, flacher und weniger spitz. Wer zu meinem Arzt ging, hatte meine, dünn und spitz. Heute lassen die Ärzte die Patienten aus mehreren Modellen auswählen. Früher hatte jeder Arzt nur ein Modell.“

Auch ich war mit der „persischen Nase“ geschlagen. Als verpickelte 17-Jährige in Oklahoma, die ihre Nase am liebsten in Bücher steckte, begann ich mir langsam Gedanken darüber zu machen, wie ich wohl aussehen würde, wenn ich nach Princeton ginge. Meine Mutter wollte nicht, dass ich mich mit Jungs traf, Make-up trug oder sonstige Eitelkeiten auslebte, aber sie fuhr mit mir ohne Vorwarnung in die Praxis eines Schönheitschirurgen und meinte: „Du kannst sie dir machen lassen, wenn du willst.“ Ich nahm ihr Angebot dankend an.

Jetzt habe ich nur noch eine Tante, die ihre ursprüngliche Nase behalten hat, und manchmal sehe ich sie und ihre Töchter neidisch an. Ein Teil von mir möchte gern wissen, wie ich wohl mit meiner Nase als Erwachsene ausgesehen hätte. Aber ich sage mir einfach, dass ich durch die OP iranischer geworden bin. Sie ist ein Initiationsritus, den ich mit meiner Mutter, Tante, Großmutter und Tausenden von anderen Frauen aus meinem Heimatland teile. Welche Version von mir ist also persischer? Die Antwort ist kompliziert. Ich kann viele Argumente und Fakten aufführen, aber emotional ist es ein ziemliches Durcheinander. Wann immer ich einen iranischen Freund oder Liebhaber hatte, dessen Nase wie meine alte war, habe ich mich ein wenig zu sehr in ihn verliebt. Heißt das etwa, dass ich mich nach meinem ursprünglichen Gesicht zurücksehne?

Irgendwie war es an jenem Halloween kein gutes Gefühl, dieses Pflaster auf der Nase zu tragen. Den ganzen Abend über fasste ich mir immer wieder an das Pflaster und ertappte mich dabei, wie ich mir vorsichtshalber Erklärungen zurechtlegte. Irgendwann riss ich es ab. Ich sah auch ohne Pflaster iranisch genug aus-ich habe die mandelförmigen Augen, die Augenbrauen, spreche die Sprache, werfe den Schal aufmüpfig nach hinten. Mein Gesicht ist mein Gesicht.

Source: VICE

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