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Focus| Erstmals Ausstellung mit Werken von Otto Piene in Teheran

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dpa/Uli DeckDer ZERO-Künstler Otto Piene starb im Juli 2014 mit 86 Jahren.
Erstmals zeigt ein Museum in der iranischen Hauptstadt Teheran eine Einzelausstellung mit Werken des ZERO-Künstlers Otto Piene.

Nach Heinz Mack im Jahr 2001 und Günther Uecker im Jahr 2012 sei Piene der dritte ZERO-Künstler, dessen Werk im Iran präsentiert werde, teilte die Düsseldorfer Galerie Breckner am Mittwoch mit.

Die Ausstellung „Rainbow“ mit etwa 90 Werken soll am 24. Februar eröffnet werden und bis zum 25. Mai laufen. Schauplatz werde das 1977 eröffnete Museum of Contemporary Art in Teheran sein. Kurator sei der stellvertretende Direktor der Nationalgalerie Berlin, Joachim Jäger. Piene war im Juli 2014 im Alter von 86 Jahren gestorben, er hatte die Ausstellung im Iran aber noch selbst mitkonzipiert.

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Couchsurfing In Tehran, How Foreign Crashers Help Iranians Escape

Travel for Iranians is hard, which is why the young have found hosting foreigners is a way to explore the world vicariously. The latest twist to the private breaking of Iran’s myriad restrictions.

Article illustrative image Partner logoA birthday party in Tehran

TEHRAN — Looking around you see heavy doses of makeup and carefully coiffed hair, jeans and some mini skirts that really are too short. Western music is played almost exclusively on the high-tech sound system, and the pictures on the wall would almost certainly not meet the approval of the morality police. Home-brewed booze with a very high alcohol content — an anise schnapps — is being served liberally. Men and women socialize freely, and some flirt shamelessly.

All of this is nothing terribly exceptional for a party, except that it’s not happening in the West and is instead being hosted by two friends, Yara and Leyan*, in Tehran. Right in the capital of the Islamic Republic of Iran, where such things are not only forbidden but are demonized and punishable by law. And yet it’s happening. Privately. Even tourists can experience this secret Mideast world, via Couchsurfing.

Couchsurfing is a social network that connects people from all over the world, allowing guests to find hosts willing to offer free places to sleep in private homes. It allows a much more intimate experience for travelers and hosts, crossing geographic and social boundaries that more conventional tourists would be less likely to experience.

The practice is legal in Iran, if not some of the activity that goes behind the privacy of four walls. The government isn’t enthusiastic about it, but it doesn’t forbid it. Which is why the Couchsurfing Internet page for Iran can be used without a filter.

Just how many Iranians participate isn’t clear. Contacts usually happen through Facebook. That social network is officially forbidden, but there are enough apps available to easily circumvent the ban. President Hassan Rouhani, in power since 2013, has tweeted that it’s clear the Iranian authorities are less radical than they were during the days of Rouhani’s predecessor, avowed hardliner Mahmoud Ahmadinejad.

A difficult travel destination

But Iran remains a difficult destination, a country with an extremely bad reputation because of its morality police and other watchdogs, not to mention its arbitrary justice system, its nuclear ambitions, its liberally applied death penalty and hostility toward Israel. Anybody who travels there should be absolutely clear that in so doing they are supporting the regime of themullahs.

But Couchsurfing nevertheless offers rich opportunities for discovering Iran and the daily life of Iranians. And it’s obviously an inexpensive way to travel. But those choosing this travel strategy should be prepared to improvise at all times. The first Facebook contact with Omidin Tehran comes to mind, in fact.

Omid enjoys guiding Western Couchsurfers through his hometown. But shortly before my arrival, Omid wrote via Facebook that he couldn’t make it, that something had come up. So he promised to send two girlfriends, who turn out to be Yara and Leyan, hostesses of the party described above, and where the first Couchsurfing night is reserved.

Both the women are wearing headscarves, as is compulsory, but not the way you would think Iranians would wear them. Their hair is visible, and the women wear the scarves more like a stylish accessory that casually covers the back of their heads. Not everyone approves of this, and the morality police frequently stop passersby and check their identity when they believe civilians aren’t dressed with the requisite modesty.

Yara is undaunted. „Iranian law does say that a woman must wear a headscarf when she leaves the house, so we wear them,“ she says. „But the law doesn’t say exactly how they must be worn. So we wear them the way we want.“

They also live the way they want at home. They host private parties to which Couchsurfers are cordially invited and that offer insight into what lies behind the country’s religious facade.

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VICE| Teheran ist die Hauptstadt für Nasenkorrekturen

Als ich vorletztes Halloween entschied, mich als moderne Teheranerin zu verkleiden, hatte ich mehrere Monate unter frisch emigrier­ten Iranern zugebracht. Meine neuen Freundinnen-alle moderne Frauen aus Teheran-berieten mich dabei. Für mein Kostüm benötigte ich eine Mischung aus offensichtlichen und überraschenden Requisiten: ein Kopftuch, dessen Enden im Jackie-Kennedy-Stil nach hinten geworfen werden, mehrere Schichten Make-up (die kreischende Eitelkeit der Teheranerinnen und all das), ein hautenges schwarzes Kleid (iranische Frauen lieben es, die Gesetze der Islamischen Republik auszuloten), besonders große Volumeneinsätze fürs Haar (aufgebauschtes Haar ist eine Art kultureller Spleen, ähnlich wie enge Hosen bei europäischen Männern. Im Iran gilt eine hohe Wölbung unter dem Kopftuch als echter Antörner.) Und zum Schluss brachte mein Expertinnenteam noch ein kleines, aber entscheidendes Detail ins Spiel, das meiner Figur der authentischen vornehmen Teheranerin den letzten Schliff verleihen sollte. Sie musterten mich und eine von ihnen meinte, „Dir fehlt noch ein Pflaster auf der Nase.“

„Die Nase hab ich ja schon“, sagte ich und zeigte auf mein einziges gekauftes Körperteil. Seit meinem 18. Lebensjahr weist sie elegant nach oben. Ich mag Amerikanerin sein, aber ich bin auch Perserin, wollte ich damit sagen. Natürlich habe ich mir die Nase machen lassen.

Auf einem Spaziergang durch Teheran trifft man überall auf glamouröse Frauen mit Hijabs und teuren Sonnenbrillen, deren Nasen an markanter Stelle „Ehrenpflaster“ zieren, oft lange, nachdem die Wunden abgeheilt sind. Die Befürchtung, damit die Obrigkeit vor den Kopf zu stoßen, haben sie nicht.

Für viele junge Perserinnen ist diese Art der Zurschaustellung durchaus sinnvoll, vor allem wenn es darum geht, einen guten Ehemann zu finden. Das Pflaster ist ein Zeichen dafür, dass die Frau aus einer Familie kommt, die für sie sorgt und es sich leisten kann-was allemal besser ist, als lediglich die genetischen Anlagen für ein kleines Näschen zu haben.

Im Iran werden im Vergleich weltweit die meisten Nasenkorrekturen durchgeführt. Schätzungen zufolge lassen sich dort viermal so viele Leute die Nase machen wie in Amerika. Gerade für ein islamisches Land ist das bemerkenswert, und laut einerGuardian-Story vom März 2013 beschränkt sich diese Praxis nicht nur auf die Reichen; auch Verkäuferinnen, Büroangestellte, Studentinnen und Teenager geben ihre Ersparnisse für die OP aus oder verschulden sich dafür. Obwohl Schönheitsoperationen innerhalb der Kultur mittlerweile absolut gängig sind, hat die Islamische Republik bislang kaum Missfallen daran geäußert. In den 1980ern billigte Ajatollah Khomeini die Nasenkorrektur unter Verweis auf Hadith: „Gott ist schön und liebt die Schönheit.“ Und doch, wie BBC im Juni 2014 berichtete, zeigt der staatliche Fernsehsender Tehran TV in seinem Programm keine Schauspieler oder Schauspielerinnen mehr, die sich einer Schönheitsoperation unterzogen haben.

Seit der Revolution 1979, die den Schah zu Fall und die Islamische Republik an die Macht brachte, gilt Teheran als die Nasenkorrekturhauptstadt der Welt. Warum kam es ausgerechnet in einem muslimischen Land zu dieser Entwicklung? Es steht außer Frage, dass die iranische Kultur auf das Verhalten der Menschen stärkeren Einfluss hat als der Islam, und für diese hat körperliche Schönheit in all ihren Formen seit Jahrhunderten einen hohen Stellenwert. Unter dieser Voraussetzung scheint folgende Erklärung plausibel: Weil der obligatorische Hijab nur den kleinen runden Ausschnitt des Gesichts als Darstellungsfläche für Schönheit und Ausdruck offen lässt, sind iranische Frauen völlig besessen von ihrem Gesicht. Sie wünschen sich feine, symmetrische und europäische Züge. Und weil so viele junge Frauen bereit sind, sich dafür unters Messer zu legen und zu verschulden, ist die Nasenkorrektur zu einer Art iranischem Initiationsritus geworden. Heute, nach ein paar Jahrzehnten, hat sich dieser Trend auch in der iranischen Diaspora verbreitet. Für viele persische Frauen und einige Männer ist die Operation ein Indikator, nicht nur für körperliche Schönheit, sondern auch für Reichtum und gesellschaftliche Stellung. Im Vordergrund steht weniger die Eitelkeit als der Wunsch, einer Schicht von Iranern anzugehören, die europäisch aussehen, amerikanische Bücher lesen, reisen und einen westlichen Lebensstil pflegen. So wurde die Beseitigung eben jenes persischen Nasenhöckers, der die unverwechselbare iranische Hakennase ausmacht, ironischerweise zu einem identitätsstiftenden Merkmal. Das Schönheitsideal des iranischen Gesichts hat sich offenbar gewandelt, und obwohl die Operation den eindeutig orientalischen Teil des Gesichts verändert, ist dies letztendlich eine sehr iranische Entscheidung.

Wenn dieser Trend jedoch von dem restriktiven Dresscode der Islamischen Republik herrührt, warum hat er sich dann auch in der iranischen Diaspora so ausgebreitet? Und warum begann er sich schon vor 1979 zu entwickeln? Meine Mutter, Großmutter und Tante ließen sich ihre Nasen in jungen Jahren richten, und alle drei sind konservative Frauen. Meine Großmutter, die sich der Operation in den späten 1960er Jahren unterzog, hatte sich die Nase zuvor bei einem Sturz verletzt-was allerdings eine beliebte Ausrede ist. Sie erzählte, der Arzt habe, bevor er den Bruch richtete, gemeint: „Wenn wir schon mal dabei sind, könnten wir Ihre Nase doch auch ein wenig verkleinern.“ Meine Mutter und meine Tante taten es ihr in den frühen 1970er Jahren gleich. „Damals hatten das nur sehr wenige andere Mädchen“, sagte meine Mutter, um deren Nase ich sie seit meiner Kindheit beneidet habe. „Das war Luxus. Weil ich aber an der medizinischen Fakultät war, konnte ich es umsonst machen lassen.“ Wenn auch eine Seltenheit zur damaligen Zeit, war die Entscheidung dennoch ein Nebenprodukt der iranischen Normen in Bezug auf Ehe und Brautwerben. „Nach ihrer Nasen-OP wollten alle deine Tante heiraten“, erzählte meine Mutter. „Ihre alte Nase … war sehr najoor.“ Für dieses tolle Wort gibt es leider keine adäquate Übersetzung. Es bezeichnet jedenfalls etwas tragisch Unschönes.

Dr. Benjamin Rafii, ein persischer Halsnasenohrenchirurg in Los Angeles, hält das Phänomen nicht für eine Reaktion auf den Islam. „Die Iraner verbindet seit 50 Jahren eine enge kulturelle Beziehung mit Europa“, sagt er. „Nach dem europäischen Schönheitsideal haben persische Frauen viele wünschenswerte Schönheitsmerkmale-mandelförmige Augen, volle in einem hohen Bogen verlaufende Augenbrauen, ausgeprägte Wangenknochen; nur die Nase, die häufig auch noch ein auffälliger Höcker schmückt, sticht als zu groß und unförmig heraus. Sie ist das erste Ziel bei kosmetische Optimierungen.“

Als meine Mutter jung war, vor der Revolution und dem obligatorischen Kopftuch, trieb dieser europäische Einfluss viele berühmte Leute auf den Operationstisch. „Damals ließen sich viele iranische Prominente operieren“, erzählte meine Mutter.

In den frühen 1970er Jahren war das Verfahren noch nicht so ausgereift. Anstelle einer modernen Schiene musste meine Mutter eine Tamponade aus gut zweieinhalb Meter Verbandsmull über sich ergehen lassen; sie wurde ihr tief in die Nasenlöcher bis in den Rachen gestopft. In den 60er und 70er Jahren hatte außerdem jeder Arzt seinen eigenen Nasenkorrekturstil. „Wer zum Arzt meiner Schwester ging, hatte danach die gleiche Nase wie sie, flacher und weniger spitz. Wer zu meinem Arzt ging, hatte meine, dünn und spitz. Heute lassen die Ärzte die Patienten aus mehreren Modellen auswählen. Früher hatte jeder Arzt nur ein Modell.“

Auch ich war mit der „persischen Nase“ geschlagen. Als verpickelte 17-Jährige in Oklahoma, die ihre Nase am liebsten in Bücher steckte, begann ich mir langsam Gedanken darüber zu machen, wie ich wohl aussehen würde, wenn ich nach Princeton ginge. Meine Mutter wollte nicht, dass ich mich mit Jungs traf, Make-up trug oder sonstige Eitelkeiten auslebte, aber sie fuhr mit mir ohne Vorwarnung in die Praxis eines Schönheitschirurgen und meinte: „Du kannst sie dir machen lassen, wenn du willst.“ Ich nahm ihr Angebot dankend an.

Jetzt habe ich nur noch eine Tante, die ihre ursprüngliche Nase behalten hat, und manchmal sehe ich sie und ihre Töchter neidisch an. Ein Teil von mir möchte gern wissen, wie ich wohl mit meiner Nase als Erwachsene ausgesehen hätte. Aber ich sage mir einfach, dass ich durch die OP iranischer geworden bin. Sie ist ein Initiationsritus, den ich mit meiner Mutter, Tante, Großmutter und Tausenden von anderen Frauen aus meinem Heimatland teile. Welche Version von mir ist also persischer? Die Antwort ist kompliziert. Ich kann viele Argumente und Fakten aufführen, aber emotional ist es ein ziemliches Durcheinander. Wann immer ich einen iranischen Freund oder Liebhaber hatte, dessen Nase wie meine alte war, habe ich mich ein wenig zu sehr in ihn verliebt. Heißt das etwa, dass ich mich nach meinem ursprünglichen Gesicht zurücksehne?

Irgendwie war es an jenem Halloween kein gutes Gefühl, dieses Pflaster auf der Nase zu tragen. Den ganzen Abend über fasste ich mir immer wieder an das Pflaster und ertappte mich dabei, wie ich mir vorsichtshalber Erklärungen zurechtlegte. Irgendwann riss ich es ab. Ich sah auch ohne Pflaster iranisch genug aus-ich habe die mandelförmigen Augen, die Augenbrauen, spreche die Sprache, werfe den Schal aufmüpfig nach hinten. Mein Gesicht ist mein Gesicht.

-Quelle: VICE

Österreichische Delegation besucht sanktionierte Sharif Universität in Teheran (APA)

OeAD-Geschäftsführer und Montanuni Vize-Rektor untergraben Sanktionen gegen iranisches Regime

Wien (OTS) – Das Bündnis STOP THE BOMB kritisiert den Besuch einer hochrangigen österreichischen Hochschul-Delegation beim iranischen Regime. Die Delegation, zu der u.a. der Geschäftsführer des OeAD, Hubert Dürrstein, und der Vize-Rektor der Montan-Universität Leoben, Peter Moser, gehörten, besuchte am Montag die Sharif Universität für Technologie, die von der EU wegen ihrer Rolle beim iranischen Atomwaffenprogramm sanktioniert ist. Medienberichten zufolge sollen Kooperationen mit österreichischen Universitäten geplant worden sein.

Die Sharif Universität wurde von der EU bereits 2012 auf die Sanktionsliste gesetzt und am 7. November 2014 per EU-Ministerratsbeschluss erneut gelistet. Laut EU hilft die Sharif University of Technology anderen sanktionierten Einrichtungen bei Verstößen gegen UN- und EU-Sanktionen und unterstützt die proliferationsrelevanten Nukleartätigkeiten des Iran. Sie hat eine Reihe von Kooperationsabkommen insbesondere bei der Herstellung und Beschaffung ballistischer Raketen.

Stefan Schaden, der Sprecher von STOP THE BOMB, betont, dass eine Kooperation mit dem iranischen Hochschulsystem ohnehin fragwürdig ist: „Laut Amnesty International sind Frauen von zahlreichen Studienrichtungen ausgeschlossen oder durch Quoten diskriminiert. Minderheiten oder politisch Andersdenkenden wird der Zugang zu höherer Bildung überhaupt versperrt. Das entspricht wohl kaum den Zielen des österreichischen akademischen Austauschs.“

WAZ| SAMSTAG: Gesichter des Iran

SAMSTAG: Gesichter des Iran

Hotellobby, Teheran
Da sitze ich nun in einer Hotellobby in Teheran und versuche Skype auf meinem Handy ans Laufen zu kriegen. Ein junger Mann mit Lederjacke hat sich behutsam in den schweren Sessel gegenüber gleiten lassen. Ich muss meinen Mann anrufen, um ihm zu sagen, dass ich heil angekommen bin – im Iran. Zuhause machen sich alle Sorgen. Was weiß man schon – ein Ex-Präsident, der gegen Israel gewettert hat, der Atomstreit, Steinigungen. Lederjacke rutscht unruhig auf dem Sessel hin und her, ich tippe wild aufs Handydisplay. „Excuse me“, sagt er. Er lacht verlegen, philosophiert in gebrochenem Englisch über deutschen Fußball, erzählt von seiner Theatergruppe, die gerade von der Aufführung kommt. Zwei seiner Freunde gesellen sich zu uns. Ein großer Kräftiger ruft seine Schwester an, drückt mir erwartungsvoll das Smartphone in die Hand und will, dass ich mit ihr rede. Dann meldet sich mein Skype-Anschluss. Zum Abschied sieht mir Lederjacke ernst in die Augen und meint: „Sag deinen Freunden und deiner Familie Zuhause: Wir sind ein friedliches Volk.“

Hafiz-Grabmal, Shiraz
Die Stadt der Liebe und des Weins hat mich gleich an Las Vegas erinnert – sie ist zumindest eine dezente iranische Variante davon. Bunte Lichterketten sind über die Straße gespannt, Graffitis zieren Hauswände und Mauern, um zehn Uhr abends ist der Nachtmarkt so voll wie eine deutsche Fußgängerzone am Samstagnachmittag. Zwischen die schwarz verschleierten Gestalten schieben sich Pärchen, die zaghaft Händchen halten. Junge Männer ziehen Boxen auf Rädern hinter sich her, aus denen laute Musik plärrt. Es wird gelacht, gefeixt, gegrüßt.

Jetzt sitze ich auf der Freitreppe vor dem Grabmal des berühmtesten aller persischen Dichter. Hafiz ist der Goethe des Iran – er liebte Wein, Weib und Gesang und wird von jedem verehrt. „Wie du zu lieben und zu trinken, das soll mein Stolz, mein Leben sein“, hat Goethe über seinen Freund im Geiste geschrieben. Sein Grab ist die beliebteste Sehenswürdigkeit des Landes, Paare verbringen seinetwegen ihre Flitterwochen in Shiraz. Die Kopftücher sollen hier lockerer sitzen, Verliebte wurden schon turtelnd gesehen. Vor dem Eingang hat mir ein Mann so etwas wie eine iranische Glückskeksvariante in die Hand gedrückt: „Genieße die Welt“, steht auf der Karte. Entsprechend gespannt beobachte ich jetzt die Leute. Junge Frauen tragen noch das Pflaster von der letzten Schönheits-OP auf der Nase, Kinder juchzen vor Freude als ihre Eltern sie von der Rutschpartie auf der Balustrade auffangen, ein Mullah und ein Soldat schlendern einträchtig plaudernd zum Park.

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Teheran| Patients in Beds, Families on the Street

The following piece was written by an Iranian citizen journalist on the ground inside the country, who writes under a pseudonym to protect his identity.

  • A patient lies in hospital. Outside, family members spend the night on the street, staying in a tent on the sidewalk or an alleyway near the hospital. For many Iranian families, forced to travel to strange, faraway cities to find medical care for their loved ones, this is a common experience.

    The uneven distribution of hospitals and medical services in Iran mean that, in many cases, people from small towns and villages must travel to big cities for medical treatment. Hospitals in cities including Tehran, Shiraz, Tabriz, Mashhad, Isfahan and Ahvaz regularly host patients from towns and villages in the surrounding vicinity. But there’s no one to host those traveling with the patients, and they cannot afford to pay for hotels, hostels or even the modest accommodation fees hospitals charge those accompanying a patient. So, until the patient is discharged, they sleep on the streets.

    A walk near public hospitals in Tehran — such as Shari’ati, Tehran Heart Center, Shahid Rajaei and Imam Khomeini — paints a clear picture. The practice has been going on for years. It has not escaped the attention of the media, though it only features in the news from time to time.

    Every now and then government officials make promises to solve the problem. In autumn 2012, Mehr news agency ran the headline “Deputy Health Minister Promises to Solve the Problem of Lodging for Patients’ Companions” after Dr. Hassan Emami, Deputy Health Minister in charge of medical services, issued a statement. “The question of patients’ companions has turned into a complicated problem at state-run hospitals,” he told the agency. “When it comes to services provided by nurses, medical assistants and paramedics, hospitals are short-staffed so they ask the help of people who accompany the patients. Of course, this disrupts the administration of the hospital.” Referring to a scheme that was originally set up in 2005 and aims to provide medical services for localities with a population of under 20,000, Emami said “with the implementation of the Family Physician Program, the number of people who come to big cities like Tehran would decrease and the question of lodgings for companions would be solved.” Dr. Emami added that “if there are enough medical assistants and paramedics in the hospitals, the number of companions who come to the hospitals would diminish.” He also mentioned that charities set up projects to achieve this goal too.

    The More it Changes

    But it has been two years since Ahmadinejad’s Deputy Health Minister made those promises. Now there is a new president and a new administration. Health Ministry officials have changed. The success of the Family Physician Program is questionable at best, and charities have done nothing noteworthy. The problem of family members forced to sleep outside hospitals is still persistent.

    I went to Shari’ati Hospital and wandered in the nearby streets to get some firsthand accounts. A few families have set up camp on the sidewalk opposite the hospital, waiting until their family members are released.

    One family is from the western province of Kurdistan that borders Iraq: a mother, two sons and a young daughter. Their father has acute pulmonary problems and has been hospitalized for a week. And for a week, they have been camping, living in  a tent and taking turns to attend their father at the hospital. They say they don’t know anybody in Tehran and they cannot afford to pay for lodging.  A little further down there is a family from the North Khorasan, which borders Afghanistan. The stories are similar. The only differences are the types of illness and the color of the chadors the women wear.

    Hospital guards do not allow families to set up tents on hospital grounds, so they turn to the sidewalk, using it as a place to sleep, rest, cook and maybe daydream occasionally.

    Earlier this year, the subject came up again. Of course, further promises were made. “By the year’s end we will take decisive action to solve the problem of people who accompany patients and have no lodgings,” promised Tehran Mayor Mohammad Bagher Ghalibaf after meeting with the health ministry and Tehran medical universities officials. “It was decided that dormitories and lodgings for patients’ companions would be placed under the care of charities. The land will be donated by the Health Ministry and the charities will build them in cooperation of the Tehran municipality.”

    But there’s less than six months before the end of the calendar year. It’s not known whether the mayor’s promise will be fulfilled. But whatever happens, in the meantime, families who bring their sick members to big cities for medical treatment have to cope with two heartbreaks: the sickness of their loved ones and being strangers in a strange place by themselves, without any shelter.

    Solmaz Mazaheri, Citizen-Journalist, Tehran

    Source: Iran Wire

    Suleimani – The Second Most Powerful Man in Tehran

    Suleimani

    The most interesting Iranian person in the world right now isn’t sitting in Vienna to talk about the nuclear agreement, and isn’t dishing out quirky or alarming quotes from Tehran. He is probably on a plane, flying to and from Beirut, Damascus, Baghdad etc…helping to increase Tehran’s military and political influence.

    Meet Qassam Suleimani, commander of the IRGC’s „external“ operations units, better known as the Qods Force. A former CIA chief, John Maguire calls him, „the single most powerful operative in the Middle East today„. Or you can call him by his nickname: Keiser Soze.

    Suleimani in Iran

    On the outside, he leads a „regular life“. He is 57 years old. He wakes up every day at 4:00 and goes to sleep early at 21:30. He has five children. He takes his wife on some of his many „business“ trips. He suffers from back aches. He never raises his voice (in fact he is silent most of the time) but is gifted with an „understated charisma that makes people pay attention to him.

    He is also a decorated war hero from the Iran-Iraq war and is connected all the way up to the Supreme Leader Khamenei himself who has referred to Suleimani as “a living martyr of the revolution.”

    Rumours have it that Suleimani recently attempted a coup against Rouhani which was blocked at the last moment by Khamenei himself.“

    Running the War in Damascus

    In Syria, Suleimani has worked as the liaison between the leaders in Tehran, the Hezbollah chiefs and Bashar al-Assad for the past 3 years. He has built up Assad’s army from the inside after once exclaiming „The Syrian army is useless! Give me one brigade of the Basij, and I would conquer the whole country“.

    He works in Damascus from a fortified nondescript building together with a large array of officers: Syrian military commanders, a Hezbollah commander, a coordinator of Iraqi Shiite militias and a close comrade of his, the Basij former deputy commander Brigadier General Hossein Hamedani.

    Once Suleimani got settled in, an immediate sharp increase in Iranian supply flights into the Damascus airport carrying weapons and ammunition was noticed. Thousands of Quds operatives suddenly turned up within the Syrian army and in Assad’s special security service.

    Working Behind the Scenes in Baghdad

    But, as the ISIS crisis got into Iraq, Suleimani flew out repeatedly to Baghdad. The Guardian says – „Experts agree that it is hard to overestimate Suleimani’s role in Iraq. „At times of crisis Suleimani is the supreme puppeteer…He is everywhere and he’s nowhere. Suleimani is doing in Baghdad what he did in Damascus“ – this time with Maliki instead of Assad.

    Under his guidance, Tehran began by supplying Maliki with weapons and militia men as well as flying out drones and jet fighters into Iraq. Judging from Suleimani’s experience in Damascus, one can only expect Suleiman to set up a similar force in Baghdad as well.

    In any case, it would be worthwhile to keep an eye out on him at all times…trouble is never far away from him.

     

    Source: Iran 24/07

    Iran authorities unnerved as World Cup brings crowds to Tehran streets

    An official ban and a defeat by Argentina in the final moments didn’t stop Iranians from celebrating.

    Iranians celebrate in the streets of Tehran following Iran’s loss to Argentina in the final minutes of the match on June 21. Notwithstanding the presence of plainclothes militia and riot police, the celebrations remained peaceful. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    Iranians cheer out of their car in traffic following the match. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    Iranians of all ages and both genders gather in the street after the match. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    Iranian authorities attempted to block mixed-gender cinema viewings of World Cup matches. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    Despite the loss, Iranians were proud of their team’s performance during its second match. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    The celebrations remained peaceful. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    A television crew interviews a fan in Tehran. Al Jazeera America

    Iran, Tehran, World Cup

    Men and women in Tehran cheer at the conclusion of the match on June 21. Al Jazeera America

     

    Iran may have lost to Argentina thanks to a Lionel Messi strike in the dying seconds of their World Cup match on Saturday, but that didn’t stop the Tehran street party that rattled the authorities. Large numbers of Iranians converged on the streets, dancing on overpasses, overrunning major thoroughfares, chanting and blaring music out of cars, in an outpouring of popular celebration that prompted the authorities to send plainclothes security agents on motorbikes through the crowds to disperse them. Riot police had locked down thoroughfares like Tehran’s busy Parkway intersection, but young people flooded into side streets to carry on their festivities, buoyed by the Iranian national soccer team’s strong showing against top-ranked Argentina.

    Most neutral commentators concurred that the Iranian team had mounted a superb effort and had been unlucky to be denied at least a draw against the two-time World Cup champions. “This dignified loss means more to us than any win,” said one young man dancing with his friends on the street.

    Despite the heavy police presence across the city, the unexpected outpouring for Team Melli — as the national soccer team is known — stayed strictly in the spirit of fun. Young peopled flew the Iranian flag from their motorbikes and chanted their thanks to individual players, but their commotion carried none of the political overtones of past public celebrations around the World Cup. Instead, most seemed content to have Team Melli project a new image of Iran to the world, that of a moderate, soccer-loving nation, progressive enough to have an endangered species, the Asian cheetah, on its team uniform. “The national team and their fans can both improve Iran’s reputation, and if the government cooperates and doesn’t crack down, that will boost people’s sense of hope,” said Ali, a 28-year-old event manager. “Iranians are more depressed today than any other time, so a little bit of happiness can make it better.”

    It’s precisely that prospect of hopefulness, though, that some say led the Iranian regime to deliberately stanch public excitement in advance of the World Cup. Security authorities took the unprecedented step of banning the broadcast of matches in public cinemas and cafés, effectively barring Iranians from experiencing the matches as collective events.

    In 2010 authorities had allowed crowds of men and women to watch the World Cup in cinemas across the country, just months after the country’s Green movement uprising. At that delicate time, some Iranian players wore green armbands on the field to show solidarity with protesters, and young people chanted political slogans in those packed cinemas in support of jailed opposition leaders.

    But today, with the national mood one of malaise and little prospect of political unrest, the banning of public screenings seems to reflect Iranian hard-liners’ determination to undermine the government of President Hassan Rouhani. “The security forces are trying to disillusion the pro-Rouhani electorate,” said one political analyst who asked to remain anonymous because of his strong political connections inside Iran. “It makes it seem as though nothing has changed under him, that basic things like watching football are being rolled back.”

    Slide show: Watching the World Cup in Tehran

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    Berner Zeitung| Heimlich gedreht im Reich der Zensur

    Von Stefan Volk

    Geheimdienst gegen Regimekritiker: Im Film «Manuscripts Don’t Burn» von Mohammad Rasoulof gehts ums schäbige Geschäft des Mordens.

    Bevor der iranische Filmemacher Mohammad Rasoulof im vergangenen September vom Hamburger Filmfest nach Teheran zurückflog, verabschiedete er sich mit den Worten: «Zurück kann man immer. Es ist nur die Frage, was dann passiert.» Wenige Tage später wurden Rasoulof in Teheran Pass und Laptop abgenommen. Der Regisseur kann den Iran derzeit nicht verlassen.

    In Cannes ausgezeichnet

    Auslöser dieser Repressalien war wohl Rasoulofs verdeckt gedrehter Spielfilm «Manuscripts Don’t Burn», der am letztjährigen Filmfestival in Cannes ausgezeichnet worden war und jetzt in den Schweizer Kinos anläuft. Iranische Geheimpolizisten erscheinen darin als mörderische Vollzugsgehilfen eines unmenschlichen Unterdrückungsapparates. Laut Rasoulof basiert der Film auf wahren Begebenheiten.

    Dutzende Oppositionelle, darunter viele Künstler und Kulturschaffende, wurden in den 1990er-Jahren von Agenten des iranischen Geheimdienstes Vevak ermordet. Diese «Kettenmorde» wurden als Unfälle, Gewaltverbrechen oder natürliche Tode kaschiert und bis heute nur unzureichend aufgeklärt. In einem umstrittenen Prozess wurden 2001 mehrere Mitarbeiter des Nachrichtendienstes wegen Mordes verurteilt. Ihr vermeintlicher Drahtzieher, der stellvertretende Informationsminister Said Emami, soll im Gefängnis Selbstmord verübt haben.

    Ein sympathischer Killer

    In «Manuscripts Don’t Burn» arbeitet Rasoulof diese Vorfälle nicht unmittelbar auf, die Bezüge zur Realität aber sind deutlich. Zwei Geheimdienstler verfolgen die Spuren eines verbotenen Manuskripts, das den gescheiterten Mordanschlag auf 21 regimekritische Schriftsteller und Journalisten rekonstruiert, die 1995 bei einem «Busunglück» getötet werden sollten. Einer der Vevak-Schergen sass damals hinter dem Steuer des Busses. Dass Rasoulof dem um seinen kranken Sohn besorgten Familienvater sympathische Züge abgewinnt, steigert die Brisanz seines Filmes noch. Es geht dem 41-jährigen Regisseur nicht darum, einzelne Menschen abzuurteilen, sondern verborgene Strukturen aufzudecken.

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    Wiener Zeitung| Iran „Die Drogen machen uns kaputt“

    Von Arian Faal

    • Das Suchtproblem hat die iranische Jugend fest im Griff – rund fünf Millionen Abhängige
    • Iran beschlagnahmt mehr Drogen als alle Länder in der Region zusammen.
    Die Verbrennung beschlagnahmter Drogen wird im Iran groß zelebriert. - epa/Abedin Taherkenareh

    Die Verbrennung beschlagnahmter Drogen wird im Iran groß zelebriert.epa/Abedin Taherkenareh

    Teheran/Wien. Der Ausgangsbereich des Basars in Teheran ist an diesem Nachmittag wieder vollgestopft – mit Taxis, Straßenhändlern, die ihre heißen roten Rüben eifrig anbieten, und mit Taschendieben. „Hey, da drüben, schaut, die nehmen dem alten Mann seine Aktentasche weg. Haltet sie!“, schreit einer der Händler. Doch es ist vertane Mühe. Die Diebe sind längst über alle Berge. Meist benutzen sie ein Messer und schlitzen die Taschen ihrer Opfer innerhalb von Sekunden auf, nehmen alles mit, und ehe man sich versieht, brausen sie und ihre Komplizen auf Mopeds auch schon davon. Manchmal nehmen sie gleich die ganze Tasche mit. So ist es keine Seltenheit, dass man am Ausgang des Zentrums orientalischer Handelskunst ungewollter Zeuge von Szenen wird, die eher an einen schlechten Hollywoodfilm erinnern.

    „Ja, steigen Sie ein, ich nehme Sie mit, ich muss eh in den Norden der Stadt. Wenn Sie lange hier stehen bleiben, werden Sie auch ausgeraubt.“ Hossein dämpft seine Zigarette aus. Auf den ersten Blick ist der 28-jährige Bäcker und Konditor, der sich nachmittags sein Taschengeld als freiberuflicher Taxifahrer verdient, nicht von seinen Altersgenossen zu unterscheiden. Doch auf den zweiten Blick sieht man, dass seine Augen glasig sind und seine Hände zittern.

    „Man muss das Problem an der Wurzel packen. Warum gehen diese Menschen auf Raubzug? In welchen Kreisen verbringen sie ihren Alltag? Sie haben nichts zum Leben und da wissen sie sich nicht anders zu helfen, als zu stehlen und zu plündern. Wenn man einmal drin ist in dem Dilemma, gibt es kein Entrinnen mehr. Dazu noch das verfluchte Zeug. Ich will seit zehn Monaten damit aufhören, aber ich schaffe es nicht. Die verdammten Drogen machen uns junge Menschen in Teheran kaputt. Verstehen Sie? Kaputt! Ich hasse Opium, aber ich bin verloren. Ich habe nicht die Standfestigkeit, dem Zeug zu entrinnen. Dann denke ich mir wieder, was gibt es schon zu verlieren, das Leben hier bietet einem eh so wenig Genüsse und Freude, und schon bin ich wieder mitten im Delirium“, seufzt er.

    Schnell fasst er sich wieder und wir fahren los. Die kryptische Stille wird schnell beendet. Hossein legt Musik des im Exil lebenden persischen Sängers Shadmehr Aghili auf. „Das ist Lebenselixier. Shadmehrs Musik beruhigt mich morgens, wenn ich in die Konditorei fahre, und abends als Taxifahrer. Sogar Shadmehr, der jetzt in Los Angeles lebt, kann nicht ohne Koks leben“, erklärt Hossein traurig. Zweimal war Hossein schon auf Entzug und musste seinen Job wechseln. Doch wirklich losgekommen ist er vom Opium nie.

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