Wirtschaft & Entwicklung

Wirtschaft und Entwicklung

 

geschätztes BIP: 357,2 Mrd. US-$
Pro Kopf Einkommen (Kaufkraftparität): 10 600 US-$
Rang der menschlichen Entwicklung (HDI): Rang 70 (von 182)
Anteil Armut (unter 2  $ pro Tag): 18 %
Einkommensverteilung (Gini-Koeffizient): 44,5
Anteil alphabetisierte Erwachsene: 77 %

 

Wirtschaftssystem und seine Sektoren

Die iranische Wirtschaft ist weitestgehend zentralisiert und steht fast komplett unter staatlicher Kontrolle. So haben viele iranische Unternehmen neben wirtschaftlichen auch politische Ziele zu erfüllen. Durch regelmäßige staatliche Eingriffe über Preisregulierungen und Subventionen, die in aller Regel politische Ursachen haben, konnte sich bisher kaum eine eigenständige Wirtschaft entwickeln.

Das Problem wird durch die weit verbreitete Korruption noch verschärft. Transparency International führt Iran in seinem Korruptionsindex von 2010Öffnet externen Link in neuem Fenster auf Platz 148. Privatwirtschaft gibt es vor allem auf dem Basar, in der Landwirtschaft und im Dienstleistungsgewerbe. Erst in den letzten Jahren wurden, vor allem durch die 2001 gegründete Iran Privatisation OrganisationÖffnet externen Link in neuem Fenster, vermehrt Anstrengungen zur Privatisierung weiterer Teile der Wirtschaft unternommen.

Erdöl und -gas

Der wichtigste Sektor der iranischen Wirtschaft ist die Erdöl- und Erdgasproduktion. Die Ölförderung ist durch die National Iranian Oil CompanyÖffnet externen Link in neuem Fenster monopolisiert, 80-85 % der staatlichen Einnahmen stammen aus dem Ölverkauf. Da etwa 60 % des Budgets in die Finanzierung staatlicher Unternehmen und Institutionen fließen, ist Iran komplett von den Öleinnahmen abhängig. Nicht nur die Wirtschaft, auch das politische Überleben iranischer Regierungen hängt vom Ölpreis ab.

Allein die bisher bekannten Erdölreserven sind mit geschätzten 137 Milliarden Barrel die drittgrößten der Welt, im Jahr 2009 förderte Iran etwa 1,5 Milliarden Barrel Rohöl und stand damit an vierter Stelle der weltweiten Erdölförderung. Das große Problem der iranischen Ölförderung sind, neben den Schwankungen des Ölpreises, die völlig veralteten Förderanlagen und Raffinerien des Landes. Diese, meist noch von den USA in den 70er Jahren an die Regierung des Schahs geliefert, können sich längst nicht mehr mit den modernsten Anlagen etwa in Saudi-Arabien messen, was zu großen Verlusten führt. Aufgrund der Sanktionen kann Iran sie nicht durch importierte Teile modernisieren, wodurch es in iranischen Raffinerien immer wieder zu Unfällen kommt, zuletzt zu einer ExplosionÖffnet externen Link in neuem Fenster während eines Besuchs von Präsident Ahmadinezhad in der Raffinerie von Abadan. Das führt nicht zuletzt dazu, dass große Mengen an Benzin importiert werden müssen, um den heimischen Bedarf zu decken. Da Benzin staatlich subventioniert ist, kostete dies den Staat in den letzten Jahren etwa 11 % des BIP. Hob er den Benzinpreis an oder begrenzte die ausgegebenen RationenÖffnet externen Link in neuem Fenster, führte das immer wieder zu teils gewaltsamen Ausschreitungen.

Im Vergleich dazu ist die iranische Erdgasförderung noch relativ wenig entwickelt. Zwar stand das Land im Jahr 2005 mit etwa 80 Milliarden m³ Erdgas weltweit an siebter Stelle und verfügt mit geschätzten 27 Billionen m³ über die zweitgrößten Reserven der Welt. Allerdings werden über 90 % der geförderten Menge im Moment noch für den Eigenbedarf benötigt und zusätzlich muss noch Erdgas aus Turkmenistan importiert werden. Der Staat ist weiterhin bemüht, die Erdgasförderung auszubauen, gerade auch mit Blick auf den ExportÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Unter anderem dieses Missverhältnis zwischen Förderung und Verkauf und die dadurch bedingten fehlenden Staatseinnahmen soll das AtomprogrammÖffnet externen Link in neuem Fenster des Landes nach dem Willen der iranischen Führung in den nächsten Jahren lösen helfen.

Industrie

Etwa ein Drittel aller Iraner ist in der Industrie beschäftigt, etwa 46 % des BIP werden dort erwirtschaftet. Neben der Erdöl- und Erdgasindustrie verfügt Iran vor allem über Textil-, Zement- und Baustoffindustrie. Wachstumsraten sind vor allem in der AutomobilbrancheÖffnet externen Link in neuem Fenster zu verzeichnen, einem Bereich, in den seit einigen Jahren verstärkt investiert wird.

Im Zentrum der iranischen Autoindustrie steht der Staatskonzern Iran KhodroÖffnet externen Link in neuem Fenster(persisch: Automobil). Neben einem Joint Venture mit Renault, mit Hilfe dessen jährlich bis zu 300 000 Kleinwagen für den iranischen Markt im Land produziert werden sollen, baut er auch eigene Modelle. Die neuen Autos sollen mittelfristig den alten, inzwischen aber vor allem in den großen Städten nicht mehr omnipräsenten Paykan ersetzen. Zusätzlich produziert Iran Khodro in Syrien Autos für den arabischen Raum.

Die Firma SAIPAÖffnet externen Link in neuem Fenster produziert hauptsächlich französische, japanische und koreanische Fahrzeuge in Lizenz. Auch sie baut aber auch eigene Modelle.

Die Rüstungsindustrie

Der Sektor der iranischen Industrie, der in den letzten Jahren neben der Zement- und der Autoindustrie die größten Zuwachsraten verzeichnen kann, ist dieRüstungsbrancheÖffnet externen Link in neuem Fenster. Nachdem die Regierung des Schahs von den USA und Israel beinahe nach Belieben mit Waffen ausgestattet wurde, begann der Iran nach 1979, eine eigene Rüstungsindustrie zu entwickeln. Diese wurde durch ausländische Experten, etwa aus der zerfallenden Sowjetunion, aber auch aus Nordkorea, in ihrem Aufbau unterstützt. Zudem versuchten und versuchen iranische Rüstungsfirmen auch immer wieder, in Amerika und Europa Waffen oder zumindest Ersatzteile dafür zu kaufen.

Einen entscheidenden Schub erhielt die iranische Rüstungsindustrie, als sie den Pasdaran unterstellt wurde. Seit Anfang der 1990er Jahre produziert Iran einen großen Teil seiner Waffen selbst und exportiert diese sogar. Selbst U-Boote und Kampfflugzeuge werden heute im Iran produziert. Aufgrund der gefühlt hohenBedrohungslageÖffnet externen Link in neuem Fenster der iranischen Regierung fehlt es der Rüstungsindustrie nie an staatlichen Aufträgen, was sie die ausländischen Sanktionen bisher recht schadlos überstehen ließ.

Wohin iranische Waffen exportiert werden ist nicht geklärt, auch wenn immer wieder Indizien dafür sprechen, dass die libanesische Hezbollah und die palästinensische Hamas mit iranischen Waffen versorgt werden.

Ihre jüngsten Erfolge verzeichnet die iranische Rüstungsindustrie im Bereich der Entwicklung von Kurz-, Mittel-, und Langstreckenraketen sowie beim Bau einer unbemannten DrohneÖffnet externen Link in neuem Fenster. Gerade mit der Entwicklung solcher Waffengattungen versucht die Islamische Republik, ihr Abschreckungspotential zu erhöhen, um einem potentiellen Angriff der USA oder Israels vorzubeugen.

Landwirtschaft

Blick auf einen Bewässerungsgraben im sandigen Boden eines Feldes nahe der irakischen Grenze. Ohne künstliche Bewässerung wäre hier keine Landwirtschaft möglich.

Bewässerungslandwirtschaft in Khuzesten, nahe der irakischen Grenze (eigenes Bild)
In den Steppen Khorasans weiden Schafherden zwischen den kargen Hügeln.

Viehzucht in Khorasan, nahe der turkmenischen Grenze (eigenes Bild)

Die Landwirtschaft Irans hat infolge der Veränderungen des 20. Jahrhunderts ihre wirtschaftliche Bedeutung weitgehend verloren, die Einnahmen aus landwirtschaftlichen Produkten machen heute nur noch etwa 10 % des iranischen BIP aus. Statistiken dazu liefert das iranischeLandwirtschaftsministeriumÖffnet externen Link in neuem Fenster. Dennoch ist die Landwirtschaft bis heute ein wichtiger sozialer Sektor geblieben, da immer noch ungefähr ein Viertel der Bevölkerung dort beschäftigt ist.

Wegen der vielen Gebirge und Wüsten können nur etwa 10 % des Landes landwirtschaftlich genutzt werden, wovon etwa ein Drittel künstlich bewässert werden muss. WichtigeExportgüterÖffnet externen Link in neuem Fenster sind Baumwolle, Datteln, Kaviar und Pistazien. Letzteren kommt eine Sonderrolle zu: Sie gelten als die besten des Orients und werden auch in Israel gerne gegessen. So exportiert Iran große Mengen davon in die Türkei, wo sie umetikettiert und als türkische Erzeugnisse weiter nach Israel geliefertÖffnet externen Link in neuem Fenster werden. Dennoch weiß man in beiden Ländern, wer der Produzent und wer der Abnehmer ist.

Tourismus

Ein Bereich, der nach dem Willen des iranischen Staates in den nächsten Jahren verstärkt Devisen ins Land bringen soll, ist der TourismusÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auf den Seiten des iranischen Außenministeriums gibt es einen eigenen Bereich für TourismusÖffnet externen Link in neuem Fenster. Bisher wird Iran fast ausschließlich von Rucksack-Touristen bereist, die vor allem wegen der zahlreichen KulturschätzeÖffnet externen Link in neuem Fenster kommen. Nach dem Willen Teherans soll sich Iran in den nächsten Jahren jedoch zu einem Zentrum des Massentourismus entwickeln, was aufgrund der landschaftlichen Gegebenheiten, etwa der Strände am Persischen Golf oder der Skigebiete nördlich von Teheran, zwar möglich, hinsichtlich der politischen Verhältnisse für die nächsten Jahre aber nicht sehr wahrscheinlich ist.

Wirtschaftsindikatoren, Analysen, Statistiken

Als Quellen für grundlegende Daten zur iranischen Wirtschaft eignen sich das CIA World FactbookÖffnet externen Link in neuem Fenster und die Seiten des Auswärtigen AmtesÖffnet externen Link in neuem Fenster. Auch die Deutsch-Iranische Industrie- und Handelskammer liefert einige grundlegende Wirtschaftsdaten. Die WeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster bietet Informationen zu vielen Einzelthemen der iranischen Wirtschaft. Weitere Daten, vor allem zu Finanzthemen, haben die Iranseiten des Internationalen WährungsfondsÖffnet externen Link in neuem Fenster. Informationen zu ausländischen Investitionen in Iran liefert der World Investment Report der Vereinten NationenÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Generell stellt sich die Frage nach der Zuverlässigkeit solcher Statistiken. Zum einen ist nicht sicher, welche Daten der iranische Staat überhaupt veröffentlicht, zum anderen dürften viele Daten, etwa die der Basare, gar nicht erst in die offiziellen Statistiken einfließen. Eine Auswahl iranischer Websites, etwa der derZentralbankÖffnet externen Link in neuem Fenster oder des Ministeriums für Industrie und BergbauÖffnet externen Link in neuem Fenster, findet sich ebenfalls bei der Deutsch-Iranischen Industrie- und HandelskammerÖffnet externen Link in neuem Fenster, die insgesamt sehr viele wirtschaftlich relevante Daten liefert. Weitere Daten sind der Seite des GTAIÖffnet externen Link in neuem Fenster zu entnehmen, etwa zu BIP, Wachstum und Außenhandel.

Wirtschaftspolitik

Selbst für eine geringe Miete müssen in Zeiten der Inflation dicke Geldbündel auf den Tisch gelegt werden.

Eine Monatsmiete in Zeiten der Inflation (eigenes Bild)

Sofort nach 1979 begann Iran, eine „islamische WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster“ aufzubauen, die die verfehlte Wirtschaftspolitik des Schahs ablösen sollte. Hauptziele waren die Abkehr von den Prestigeprojekten des Schahs, die Stärkung der Landwirtschaft, die Stärkung der Industrie abseits des Erdöls und der Aufbau einer landesweiten modernen Infrastruktur.

Abgesehen von Letzterem sind die Erfolge überschaubar. Externe Gründe dafür sind vor allem der Krieg gegen den Irak (1980-88) und die internationalen Sanktionen. Intern ist eines der Hauptprobleme, dass es für viele Zwänge einer globalisierten Wirtschaft bisher keine „islamischen“ Lösungen gibt, etwa hinsichtlich der Notwendigkeit, Kredite auf dem internationalen Kapitalmarkt aufzunehmen. So ist es bis heute nicht gelungen, den Export merklich zu steigern und größere ausländische Investitionen ins Land zu holen, was sicherlich nicht zuletzt an der fehlenden Rechtssicherheit liegt. Hier wurde 1999 mit der Verabschiedung eines Investitionsschutzgesetzes ein erster Schritt getan.

Ein weiteres zentrales Anliegen iranischer Wirtschaftspolitik ist es, die konstant hohe, aber extrem schwankende Inflation in den Griff zu bekommen. Diese lag im Jahr 2007 bei 17 % , 2008 bei etwa 25 %, 2009 bei 13,5% und bei 2010 bei „nur“ 11,8 %.

In den letzten Jahren versucht Iran gezielt, zumindest einen Teil der Intelligenz, die in den Jahren nach der Revolution mit ihrem Kapital ins Ausland, vor allem nach Amerika und Westeuropa, geflohen war, sowie die besser gebildete Jugend, die ebenso das Land verlassenÖffnet externen Link in neuem Fenster hatte, wieder zurück zu holen, um die heimische Wirtschaft zu stärken.

Die Versuche der letzten Jahre, die marode Wirtschaft zumindest zum Teil zu privatisieren, waren bisher wenig erfolgreich. Das Banken- und Versicherungswesen ist weiterhin komplett in staatlicher Hand, ebenso wie immer noch etwa 80 % der Großindustrie. Erste Erfolge gibt es in der Luftfahrt. Während der Staatskonzern Iran Air weiterhin den internationalen Flugverkehr monopolisiert, wurden für den Binnenflugverkehr einige private Unternehmen gegründet.

Ein immer größeres Problem der iranischen WirtschaftspolitikÖffnet externen Link in neuem Fenster sind die internationalen Sanktionen, die auf Betreiben der USA kürzlich noch einmalverschärftÖffnet externen Link in neuem Fenster wurden. Zwar ist es der Regierung immer noch möglich, durch intensivierten Handel mit China den Druck etwas abzumildern, aber dies wird immer schwieriger.

So wird es sich auch bemerkbar machen, dass einer der wichtigsten Handelspartner in Europa die Geschäfte nach und nach stoppen will, wenn auch nicht ganz freiwillig. Zuletzt setzten die USA deutsche Konzerne, die sowohl mit Amerika als auch mit Iran handeln, verstärkt unter Druck indem sie sie zwangen, sich für eines der beiden Länder zu entscheiden. Daraufhin stoppte etwa Thyssen-KruppÖffnet externen Link in neuem Fenster, Deutschlands größtes Stahl- und Rüstungsunternehmen, den Handel mit Iran. Da der Konzern in der Islamischen Republik nur 200 Millionen Euro umsetzt, in den USA aber knapp fünf Milliarden, war die Entscheidung schnell gefällt. Ebenso hatten vor Thyssen-Krupp bereits Siemens, die Allianz und Linde ihre Geschäfte in Iran eingestellt. Insgesamt ist der Export aus Deutschland nach Iran von 4,4 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf 3,7 Milliarden im Jahr 2009 zurückgegangen. Die Lücke füllen chinesische Unternehmen und – den eigenen Sanktionen zum TrotzÖffnet externen Link in neuem Fenster – amerikanische Firmen.

Ein Weg die wegfallenden Handelseinnahmen zu kompensieren, ist die Kürzung staatlicher SubventionenÖffnet externen Link in neuem Fenster auf Güter des täglichen Bedarfs. Gab der iranische Staat bislang mit etwa 62 Milliarden Euro etwa ein Drittel seines Haushalts dafür aus, die Bevölkerung billig mit Lebensmitteln und Benzin versorgen zu können, sollen diese Vergünstigungen nun fallen.

Die Menge Benzin, die jeder Iraner zu subventionierten Preisen kaufen kann, wurde in den letzten Monaten mehrfach gekürzt und soll letztlich ganz verschwinden. Dann müsste in Zukunft jeder sein Benzin zum Normalpreis von etwa 28 Cent pro Liter kaufen. Das mag zwar, verglichen mit den deutschen Preisen, immer noch recht günstig erscheinen, wird sich aber für viele Iraner deutlich bemerkbar machen.

Darüber hinaus sollen auch bei den subventionierten Preisen für Energie, Gas und Wasser Abstriche gemacht werden. 60% der Mittel, die dem Staat durch diese Sparmaßnahmen zusätzlich zu Verfügung stehen werden, sollen an arme Bevölkerungsschichten verteilt werden. Mit 30% soll die angeschlagene Industrie unterstützt werden und 10% sollen tatsächlich eingespart werden. Gerade durch die Umverteilung an die Ärmsten erhofft sich die Regierung, die soziale Sprengkraft dieser durch die Sanktionen notwendig gewordenen Einsparungen ein Stück weit zu mildern.

Bonyad (religiöse Stiftungen)

Der mit Kacheln reich geschmückte Schrein des 8. schiitischen Imam wird nachts aufwendig beleuchtet.

Schrein des 8. schiitischen Imam, Ali Reza, das Zentrum der Ostan-e Qods-e Rezawi (eigenes Bild)

Ein wichtiger, in nicht wenigen Bereichen sogar zentraler Faktor der iranischen Wirtschaft sind die halbstaatlichen religiösen StiftungenÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Bonyads. Heute gibt es etwa 120 davon. Hier verschmelzen Religion, Politik und Wirtschaft am deutlichsten.

Entsprechend islamischer Grundsätze ist die Hauptaufgabe einer religiösen Stiftung die öffentliche Wohlfahrt, etwa in Form des Erhalts von Straßen oder der Pflege eines Pilgerzentrums. Daneben sind viele der Stiftungen heutzutage aber international agierende Großkonzerne. Die größte Stiftung ist die Ostan-e Qods-e RezawiÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Imam Reza Stiftung, die sich der Instandhaltung des religiösen Zentrums in Maschad widmet. Daneben hat sie sich inzwischen in eine Vielzahl von Industrieunternehmen eingekauft, etwa in die Teheraner Busgesellschaft, und setzt jährlich geschätzte 14 Milliarden Dollar um. Zudem ist sie der größte Grundbesitzer des Landes.

Die Bonyad-e Mostazafan wa DschanbazanÖffnet externen Link in neuem Fenster, die Stiftung der Unterdrückten und Kriegsveteranen, zuständig für die Versorgung von Kriegsversehrten und Armen, steht hinter der National Iranian Oil Company. Politisch steht sie den Revolutionswächtern nahe, viele ihrer hohen Beamten kommen aus deren Reihen. Vor allem mit Hilfe dieser Stiftungen, die beide offiziell direkt dem Revolutionsführer unterstehen, setzt der iranische Staat seine Vorstellungen einer islamischen Wirtschaftspolitik um und verteilt großzügig Gelder für politische Gefälligkeiten.

Entwicklung und Entwicklungspolitik

Im Jahr 2007 galten 18 % der Bevölkerung als arm, Tendenz steigend. Offiziell ist jeder vierte Iraner arbeitslos. Gerade junge Akademiker tun sich immer schwerer, auf dem Arbeitsmarkt geeignete Stellen zu finden. Immer mehr Iraner können nicht mehr von ihrer Arbeit leben und sind so gezwungen, einen zweiten oder sogar dritten Job anzunehmen. In den ländlichen Gebieten, die generell weit weniger entwickelt sind als die Städte, sind ebenfalls breite Schichten von Armut betroffen, was zu verstärkter Landflucht einerseits und zu einem Anwachsen einer Schicht weitgehend unqualifizierter Arbeitssuchender in den Städten führt.

Das Antrittsversprechen Mahmud Ahmadinezhads, der „Anwalt der kleinen Leute“ zu sein, hat hier nicht viel bewirkt. Sein Vorhaben, die Einnahmen aus dem Ölgeschäft der einfachen Bevölkerung zukommen zu lassen, hat er ebenfalls nicht umgesetzt. Die Schere zwischen Arm und Reich wird auch in Iran immer größer. Ein damit verbundenes Problem ist die steigende Zahl der Drogensüchtigen, vor allem junger Männer. Etwa 2,8 % der Bevölkerung sind abhängig von Opiaten, die wie viele andere Drogen aufgrund der Nähe zu den Anbaugebieten in Afghanistan relativ billig und leicht erhältlich sind. Weitere Informationen zu Armut und ihren Folgen liefert der Human Development ReportÖffnet externen Link in neuem Fenster der Vereinten Nationen zu Iran von 1999, der natürlich leider nicht mehr ganz aktuell ist.

Der Kampf gegen die Armut wird vor allem unter religiösen Vorzeichen geführt. Die großen religiösen Stiftungen haben hier theoretisch ihren Hauptaufgabenbereich. Außerdem liegt die Versorgung der Armen in der Verantwortung der Gesellschaft, das AlmosengebenÖffnet externen Link in neuem Fenster ist eine der Säulen des Islam. Die blauen Spendenbehälter, vom Staat aufgestellt um die sadeqe, die Almosen, zu sammeln, finden sich in jeder Straße.

Ein Ansatz, gerade der Armut auf dem Land entgegenzuwirken, ist Bildung. Der Staat schickt beispielsweise Studenten, die als Pflichtteil des Studiums in Dörfern abgelegener Regionen unterrichten sollen. Viele weitere staatliche Anstrengungen zur Bekämpfung der Armut werden im Moment dadurch behindert, dass der Staat selbst aufgrund des Verfalls des Ölpreises in finanziellen Schwierigkeiten steckt.

Ausländische Entwicklungsanstrengungen

Das Konzept der EntwicklungshilfeÖffnet externen Link in neuem Fenster ist in der Islamischen Republik sehr negativ belegt. Die Vorstellung, Hilfe bei der eigenen Entwicklung nötig zu haben, also bislang ein Stück weit unterentwickelt zu sein, ist weit über das politische System der islamischen Republik hinaus schwer vermittelbar. Es ist nicht mit dem Selbstbild der meisten Iraner vereinbar, Teil der ältesten Kulturnation der Erde zu sein. Politisch wird gerade europäische Entwicklungshilfe gerne mit einem Hinweis auf die in der Tat staatszersetzenden Aktivitäten der Engländer und Russen im Iran des 19. Jahrhunderts verglichen und daher abgelehnt. Hinzu kommt, dass viele europäische Entwicklungshilfeorganisationen, etwa der EED, einen christlichen Hintergrund haben, was Aktivitäten in der Islamischen Republik zusätzlich erschwert. Ausländische Entwicklungshilfe findet heute nur in sehr geringem Umfang stattÖffnet externen Link in neuem Fenster. Immerhin die GTZ (heute GIZ) ist seit einigen Jahren wieder in Iran aktiv, der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt in der Entwicklung der iranischen WirtschaftÖffnet externen Link in neuem Fenster.

Eine Ausnahme bildet die Stadt Bam, die bei einem Erdbeben 2003Öffnet externen Link in neuem Fenster größtenteils zerstört wurde. Aufgrund der vielen Zerstörungen und hohen Opferzahlen war auch für die Islamische Republik internationale Hilfe unumgänglich. So konnten etwa der Arbeiter-Samariter-Bund und die ADRAÖffnet externen Link in neuem Fenster Hilfe beim Wiederaufbau von Krankenhäusern und Schulen leisten. Zudem gibt es einige NGOs, die von Exiliranern betrieben werden.

Immerhin arbeitet der Iran inzwischen mit einigen internationalen Organisationen zusammen, um zumindest grundlegende Ziele zu erreichen, so etwa mit den Vereinten Nationen und deren „Millennium Development GoalsÖffnet externen Link in neuem Fenster“ oder derWeltbankÖffnet externen Link in neuem Fenster. Das Problem der internationalen Entwicklungszusammenarbeit mit Iran bleibt aber weiterhin die Tatsache, dass der iranische Staat ihr prinzipiell ablehnend gegenübersteht und sie immer wieder für innen- wie außenpolitische Ziele instrumentalisiert.

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